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Freie Rettungshundestaffel Oberhessen trainiert für den Ernstfall

Boden unter den Pfoten verloren

Von Wolfgang Kunert

Männer und Frauen, die mit ihren Hunden Tag für Tag rund um die Uhr bereitstehen, um dabei zu helfen, vermisste oder verschüttete Personen zu finden - das sind die Mitglieder der Freien Rettungshundestaffel Oberhessen, die es seit April 2009 gibt. Um für alle Probleme gewappnet zu sein, die sich während eines Einsatzes ergeben können, müssen sich Hund und Hundeführer ständig weiterbilden.

Daher übte die Freie Rettungshundestaffel Oberhessen jetzt mit der Drehleiter der Feuerwehr Gedern an der Gesamtschule, wie man Höhen überwindet, von der Leiter in ein Gebäude einsteigt und wie man sich abseilt. Die Vierbeiner wurden besonders geschult, sich beim Abseilen auf ihr Herrchen zu verlassen. Denn sie hatten dabei den Boden unter den Füßen, respektive den Pfoten, verloren.

Das Wort „Freie“ im Namen der Rettungshundestaffel bedeutet, dass sie keiner Organisation, wie zum Beispiel dem Deutschen Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk oder der Polizei, angehört. Sie arbeitet ehrenamtlich. Derzeit verfügt die Staffel unter der Leitung des Vorsitzenden Thomas Möstl aus Gedern über zehn geprüfte Flächen-Rettungshundeteams und vier Trümmer-Rettungshundeteams.

Zehn Teams befinden sich momentan in der Ausbildung und warten darauf, ihre Prüfung abzulegen, um im Ernstfall bei der Suche nach Vermissten oder Verschütteten mithelfen zu können.

Der Ernstfall, der bisher für diese Staffel noch nicht eingetreten ist, könnte so aussehen: In der Region wird ein Mensch vermisst. Er muss gesucht werden. In freier Natur oder auch in Städten ist eine solche Suche für die Retter ein schwieriges Unterfangen. Auch der Einsatz technischer Hilfsmittel, zum Beispiel Hubschrauber mit Wärmebildkameras, ist nur begrenzt möglich. Wenn der Mensch nichts mehr ausrichten kann, dann ist zum Beispiel bei der Suche in der Fläche die Zeit von Oliver Neumann und Hund „Bobby“ gekommen. Wenn auch in Trümmern gesucht werden muss, kommen zum Beispiel Ira Heynen und „Neikra“ zum Einsatz.

Der Geruchssinn der Hunde ist außerordentlich ausgeprägt. Ein Hund riecht im Vergleich zum Menschen etwa eine Million Mal besser. Während der Mensch etwa fünf Millionen Riechzellen besitzt, verfügen Hunde über 220 Millionen Zellen.

Doch bevor „Praline“, „Virginia“, „Jack“, „Spike“, „Lotta“ oder „Ares“ offiziell eingesetzt werden dürfen, müssen sie den Ernstfall trainieren. Das bedeutet, Hund und Herrchen (oder Frauchen) müssen eine Ausbildung meistern (siehe Kasten), um für den Einsatz zugelassen zu werden. Danach steht für beide die Weiterbildung auf dem wöchentlichen Trainingsprogramm.

Dazu gehört auch, dass sich Tier und Hundeführer an Höhen gewöhnen. Skeptisch blickte Border-Collie-Hündin „Insa“, ein für die Flächen- und Trümmersuche ausgebildeter Hund, in Gedern auf das Abseil- und Tragegeschirr, das ihr Frauchen Heike Neumann und ein Helfer anlegten. Kurz darauf stieg das Team in den Korb der Drehleiter. Entlang der Fensterfront ging es langsam hinauf in den zweiten Stock der Gesamtschule. Dort warteten am Fenster bereits Thomas Möstl und Jana Neumann. Sie nahmen „Insa“ in Empfang, die langsam und vorsichtig über ein Brett den Korb der Drehleiter verließ, um in das Gebäude zu steigen. Ihr Blick ging dabei etwas skeptisch seitlich des schmalen Bretts in die Tiefe. Doch es klappte. Und auch der Weg zurück in den Korb war kein Problem. Anschließend ging die Fahrt wieder nach unten, ebenfalls problemlos.

Bevor die Tiere die Hemmschwelle überwunden und sich an die Höhe gewöhnt hatten, mussten einige Herrchen und Frauchen selbst die Angst vor der Höhe überwinden. Dank der Unterstützung der Gederner Freiwilligen Feuerwehr war dies mit der Drehleiter kein Problem.

Die Rettungshundestaffel ist mit ihren ausgebildeten Hunden offiziell beim Hessischen Innenministerium und der Polizei gemeldet. Somit kann sie im Ernstfall jederzeit angefordert werden. Informationen über die Freie Rettungshundestaffel Oberhessen und über die Arbeit oder Voraussetzungen für einen Rettungshund gibt es im Internet.

Quelle: www.kreis-anzeiger.de

Bilder: Feuerwehr Gedern